Versicherungswertermittlung nach Brand in einem Produktionsunternehmen

Auftrag:

Nach einem Brand in dem Produktionsunternehmen mit mehrwöchiger Betriebsunterbrechung galt es zu klären, ob in der bestehenden Firmen-Inhaltsversicherung (mit Einschluß von Ertragsausfall) eine Unterversicherung vorlag, oder ob die Versicherungssumme ausreichend bemessen war.

Problematik:

In der hier vereinbarten Firmen-Inhaltsversicherung war eine sogenannte Klein-Betriebsunterbrechungsversicherung (KBU) mit beinhaltet, was bedeutet, dass der Versicherungswert für den Ertragsausfall sich (wie in der Sachversicherung) aus den Versicherungswerten für Einrichtung und Vorräte zusammensetzt.

In solchen Gutachtenfällen liegt die Problematik daher hauptsächlich in der korrekten Bewertung der versicherten Vermögenswerte.

 

Für Waren, Vorräte und Rohstoffe ist der Betrag zu ermitteln, der zur Wiederbeschaffung oder Wiederherstellung von Sachen gleicher Art und Güte aufzuwenden ist (maßgebend ist der niedrigere Betrag).

Für die technische und kaufmännische Betriebseinrichtung (TKBE) ist deren Neuwert, Zeitwert oder Verkehrswert (gemeiner Wert) zu ermitteln. Dabei ist der Zeitwert dann als Versicherungswert zu verwenden, wenn er kleiner als 40% des Neuwerts ist (Zeitwertklausel) und der gemeine Wert dann, wenn die Sachen für ihren Zweck allgemein oder im Betrieb des Versicherungsnehmers nicht mehr zu verwenden sind.

Problematisch ist vor allem die Bewertung der TKBE, wenn das Anlagenverzeichnis nicht sauber gepflegt wurde. Dann müssen Differenzen zwischen der buchmäßigen Erfassung und der Realität im Betrieb sowie Informationen über Alter, Nutzungsintensität, Schäden, nicht erfasste Generalüberholungen oder Großreparaturen zusammengetragen werden. Dies beginnt oftmals schon damit, dass Maschinen und Anlagen in der Realität vorhanden sind, aber buchmäßig nicht (noch nicht inventarisiert oder bereits ausgetragen aber noch nicht real verschrottet). Oder dass sie in den Büchern stehen, aber schon lange nicht mehr vorhanden sind (nach Verschrottung oder Verkauf nicht ausgetragen).

Vorgehensweise und Ergebnis:

Zunächst wurde anhand des Anlagenverzeichnisses der Anschaffungswert und das Alter der buchmäßig vorhandenen Maschinen, Anlagen und anderer Wirtschaftsgüter geprüft. Zudem wurden in Gesprächen mit dem Controlling und Verantwortlichen im Betrieb die Sonderfälle geklärt. Hierzu war das Unternehmen aufgefordert, Nachweise zu nicht im Anlagenspiegel dargestellten Begebenheiten (Wertminderung, Werterhöhung) sowie zu nicht aufgeführten Anlagen zu erbringen.

Für die tatsächlich vorhandene TKBE wurde der Neuwert (mittels der Indizes des Statistischen Bundesamtes) und der Zeitwert (aus Alter und Zustand) ermittelt. Bei der Summierung der Einzelwerte für den Versicherungswert wurde dann der Zeitwert verwendet, wenn er weniger als 40% des Neuwerts betrug.

Durch Gegenüberstellung des Versicherungswerts und der Versicherungssumme wurde abschließend nachgewiesen, dass keine Unterversicherung vorlag.

 

 

 

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